Arno Billen: nach Großbrand ein zweites Mal angefangen

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Inhaltsverzeichnis

Zwei Männer stehen im Freien und tragen eine Torte, Arno Billen trägt traditionelle Kleidung und schaut auf den Kuchen, im Hintergrund sind viele Gäste der 25-Jahr-Feier des Betriebs zu sehen.
Arno Billen (Mitte) in der schwarzen Kluft begutachtet die Spezialtorte zum 25-jährigen Bestehen. (Alle Fotos: Arno Billen GmbH)

Das 25-jährige Bestehen zu feiern, ist besonders für ein Unternehmen. Es passiert unglaublich viel in 25 Jahren und trotzdem vergehen sie garantiert wie im Flug. Für die Arno Billen GmbH, Mitglied der DEG Alles für das Dach eG, aus Plütscheid ist einiges anders gekommen. Eigentlich sollte schon das 20-Jährige gefeiert werden. Doch wenige Monate vor der geplanten und gebuchten Feier vernichtete ein Großfeuer die Betriebsgebäude vollständig. Und nein, es folgte nicht einfach ein Wiederaufbau. Es war ein Wendepunkt, eine „zweite Gründung“ des Betriebs, der heute Zimmerei und Dachdeckerei verbindet, bewusst überschaubar bleiben will und gerade deshalb ziemlich gut für die Zukunft aufgestellt ist.

Eigentlich war alles erreicht

Der Betrieb lief, war praktisch schuldenfrei, die Mannschaft stand, die Auftragslage ebenfalls. Mit Mitte 40 darf man darüber nachdenken, ob es neben der Arbeit womöglich noch ein anderes Leben geben könnte. Ein Wohnmobil war bereits angeschafft. Für mehr Familienzeit. Der Plan hielt bis zum 18. Januar 2021 - dann brannte es - und zwar richtig.

Alle Räume wurden zerstört, zwei Lkw verbrannten, Maschinen, Werkzeuge und große Teile des Materiallagers. In einer Zeit, in der Corona ohnehin Lieferketten durcheinanderbrachte und Material plötzlich zu einer kostbaren und teuren Ressource geworden war. Der Schaden bewegte sich nach Arno Billens Erinnerung in Richtung zwei Millionen Euro. Die Versicherung deckte nicht alles ab. Und die Zukunftsinvestition Wohnmobil? Gleich mit futsch!

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Wie es weitergehen kann

Nach Ereignissen mit dieser Dramatik kommt der Moment, in dem ein Unternehmer entscheiden muss, ob er wirklich noch einmal von vorne anfangen will. Das gleiche wieder? Anders? Ganz anders? Arno Billen brauchte nicht lange.

Am Samstag standen Untersuchungen an. Er hatte noch selbst versucht zu löschen, entsprechend bestand der Verdacht auf eine Rauchgasvergiftung. Am Sonntag kam ein Nachbar vorbei. Als Futtermittelfahrer war dieser viel in den Eifeldörfern unterwegs und hatte gehört, dass ein anderer Handwerksbetrieb aufgeben wollte. Maschinen und Ausstattung sollten verkauft werden. Montagmorgen fuhr Arno Billen mit einem Mitarbeiter hin. Dienstag war man sich einig. Ein großer Teil der Ausstattung wurde im Paket gekauft.

Zwei Bauarbeiter in blauen Pullovern stehen Arm in Arm vor einer Baustelle mit Trümmern und Bäumen im Hintergrund.
Nach dem Großfeuer standen schwierige Zeiten bevor. Doch alle Mitarbeiter entschieden sich sofort zu bleiben.

Alle Mitarbeiter bleiben

Arno Billen setzte sich mit seiner gesamten Mannschaft zusammen und sagte sinngemäß: „Das wird nicht einfach. Wer diesen Weg nicht mitgehen möchte, soll es jetzt ehrlich sagen.“ Die Antwort der Mitarbeiter war eindeutig: Wir bleiben! Das erzählt mehr über den Betrieb als eine Hochglanzbroschüre mit der Firmenchronik zum Jubiläum. Auch aus der Branche kam Hilfe. Kollegen boten Fahrzeuge, Werkzeuge und Material an. Kunden zeigten Verständnis. „Gerade diese Unterstützung hat mir in dieser Phase geholfen, in der ich mich durchaus gefragt habe, ob ich mir das alles noch einmal antun will“, erzählt Billen. Er tat es, sehr bewusst. Das prägt den Betrieb bis heute.

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Ein Betrieb zum zweiten Mal

Dabei begann der Wiederaufbau nicht bei null. Erfahrung kann schließlich nicht verbrennen. Genau das wurde zum Vorteil. Beim ersten Aufbau seit dem Gründungsjahr 2001 war vieles Stück für Stück entstanden. Arno Billen hatte in einer kleinen Werkstatt begonnen, kaum größer als eine Autogarage, dazu ein vernünftig ausgestatteter Kastenwagen. Fertig war der ganze Betrieb.

Die genützten Flächen und Räume gehörten zum früheren landwirtschaftlichen Anwesen der Familie. Mehr Platz nötig? „Kein Problem, wir bauen was um!“ Gesundes Wachstum nennt Arno Billen das heute, mit Eigenkapital, ohne Verbindlichkeiten. Immer nur den nächsten Schritt machen, der auch tragen kann. Beim zweiten Aufbau wusste er ziemlich genau, was sein Betrieb braucht und was nicht. Bestehende Gebäude wurden saniert, eine Halle angebaut und ein neues Bürogebäude geschaffen.

Modernes zweistöckiges Haus mit großen Fenstern, grauen Fassaden und Holzverkleidung, umgeben von einem kleinen Garten am Straßenrand.
Die neuen Firmengebäude, vorne ist der Verwaltungssitz zu sehen, hinten eine Lagerhalle.

15 Leute sind genug

Zu dieser Erfahrung gehört auch eine Erkenntnis, die in Zeiten von Wachstum, Skalierung und immer größeren Einheiten beinahe altmodisch klingt: Größer ist nicht automatisch besser. In den ersten 15 Jahren wuchs das Unternehmen ziemlich kontinuierlich auf rund 15 Beschäftigte. Irgendwann versuchte Arno Billen, noch einen Schritt weiterzugehen. Ein Techniker kam ins Büro, die Mannschaft wurde größer. Zwei Jahre später zog er die Bremse. Mehr Leute bedeuteten in seinem Fall nicht automatisch mehr Ertrag, sondern vor allem mehr Organisation und mehr Stress.

13 bis 15 fest Beschäftigte, ergänzt durch einige Minijobber, das ist groß genug, um auch anspruchsvollere Projekte stemmen zu können, und klein genug, damit der Chef noch weiß, was auf seinen Baustellen passiert und damit er seine Kunden alle selbst kennt. Arno Billen will beraten, Details besprechen und bei wichtigen Entscheidungen persönlich dabei sein.

Erst Zimmerer, dann Dachdecker – heute beides

Handwerklich steckt in der Arno Billen GmbH ohnehin mehr als eine klassische Dachdeckerei. Billen selbst kommt ursprünglich aus dem Zimmererhandwerk. Nach der Schule hatte ein Praktikum bei einem Radio- und Fernsehtechniker gezeigt, was er nicht machen wollte. So begann er mit 15 Jahren eine Zimmererausbildung. Er wollte draußen, körperlich und mit Holz arbeiten, abends sehen, was entstanden war.

Nach den vorgeschriebenen Gesellenjahren folgte früh der Zimmerermeister. Interessant war bereits das Gründungsmodell: Drei junge Handwerker gründeten 2001 jeweils ihren eigenen Betrieb, arbeiteten aber eng zusammen. Ein jeder stellte den anderen Leistungen in Rechnung, Maschinen und Fahrzeuge wurden geteilt. Kleines Risiko, große gemeinsame Möglichkeiten.

Modernes weißes Gebäude mit großem Fenster und einem blauen Transporter mit Leiter auf dem Dach, sonniges Wetter.
Bei der Arno Billen GmbH liegt aktuell ein erheblicher Schwerpunkt im Neubau.

Billen merkte schnell, dass sich Kunden nicht nur über den Dachstuhl freuen, sondern auch, wenn anschließend das Dach gleich mitgedeckt, die Rinne montiert und der Rest erledigt wird. Also folgte 2005 der Dachdeckermeister. Seitdem sind Zimmerei und Dachdeckerei eine Kombination: Dachstühle, Holzrahmenbau und Holzbau auf der einen Seite, Steil- und Flachdächer, Metallarbeiten, Fassaden und komplette Dachlösungen auf der anderen. Während viele Betriebe stark in Richtung Sanierung gehen, liegt bei Billen aktuell ein erheblicher Schwerpunkt im Neubau.

Dächer individuell gestalten

Arno Billen möchte Dächer individuell gestalten. Dachüberstand, Rinne, Ortgang, Eindeckung, Material und Fassadendetails werden mit den Bauherren besprochen. Gerade bei jüngeren Kunden, die Wert auf eine moderne Architektur legen, kommt das an. Neben klassischen Ziegeldächern spielen moderne Metalllösungen, insbesondere Aluminium, eine zunehmende Rolle. Der Doppelmeister freut sich, über „architektonische Züge“ zu verfügen. Daher wird schon mal mit Architekten ausdiskutiert, wie groß der Dachüberstand ausfallen darf. Weil ein Dach nicht nur dicht sein, sondern am Ende auch gut aussehen sollte.

Steinhaus mit gewölbtem Fenster und grauem Dach steht vor bewaldetem Hang im Hintergrund.
Ein schönes Metalldach auf einem schönen Gebäude.

Dass der Betrieb einiges an Bandbreite abdeckt, zeigen die Referenzen. 2007 entstand an einer Hauptschule eine für damalige Verhältnisse bemerkenswerte PV-Flachdachanlage. Von der Baustelle existiert noch ein Foto des jungen Dachdeckermeisters Arno Billen mit dem damaligen Verbandsgemeindebürgermeister Patrick Schnieder. Andere Projekte sind weniger groß, dafür handwerklich reizvoll. Ein alter Lokschuppen im Nachbarort bekam eine neue Metalleindeckung. Dazu kommen Holzrahmenbauten, zahlreiche Fassaden und viele individuell gestaltete Einfamilienhäuser. Aktuell arbeitet die Mannschaft an einem großen Gebäude mit gleich 27 Wohneinheiten.

Mitarbeiterbindung ein zentrales Thema

Ebenso wichtig wie volle Auftragsbücher ist inzwischen die Frage, wer diese Aufträge künftig ausführt. Plütscheid liegt in der Eifel und Luxemburg ist nur rund 25 Kilometer entfernt. Auch wegen deutlich höherer Löhne jenseits der Grenze spürt der Betrieb den Wettbewerb um Fachkräfte. Billen weiß: Mitarbeiterbindung funktioniert nicht nebenbei, und schon gar nicht nur über die Weihnachtsfeier. Alle zwei Jahre gibt es eine gemeinsame Tour mit Übernachtung. Und wenn es im Sommer unerträglich heiß wird, kann ein Freitag auch einmal anders enden. Mittags Kühlboxen packen, Pizza bestellen und ab geht es ins Freibad!

Überhaupt beschäftigt ihn Führung heute stärker als früher. Ein Mitarbeiter wollte kürzlich nach einer Meinungsverschiedenheit kündigen. Vor einigen Jahren, erzählt Billen selbstkritisch, wäre er vermutlich aufbrausend geworden und hätte die Sache schnell beendet. Heute setzt er sich hin, hört zu und versucht zu ergründen, wo das eigentliche Problem liegt.

Drei Männer stehen oben auf einem blauen Kran, der vor einem Gebäude mit grauem Dach geparkt ist, bei sonnigem Wetter.
Das Team der Arno Billen GmbH setzt auf soziale Medien wie Instagram und produziert coolen Bild- und Video-Content selbst.

Junge Leute ziehen junge Leute an

Bei der Nachwuchsgewinnung setzt Arno Billen auf soziale Medien. Instagram und Co. sind kein lästiges Marketingprogramm, das irgendeine Agentur erledigen soll. Er macht es gern selbst. Vor allem aber spielt die Mannschaft mit. Mitarbeiter tauchen in Stories und Videos auf, teilen Beiträge und zeigen ihren eigenen Freunden, woran sie gerade arbeiten. Daraus entsteht eine junge Community rund um den Betrieb: „Junge Leute ziehen junge Leute an“, so Arno Billen. Zusätzlich präsentiert sich das Unternehmen auf Ausbildungsmessen. Eine Mannschaft darf nicht gemeinsam alt werden. Nachwuchs muss kontinuierlich dazukommen.

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