Hauke Meyer-Behrends ist ein echter Küstendachdecker

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Inhaltsverzeichnis

Mit 27 Jahren ist Hauke Meyer-Behrends nicht nur Dachdeckermeister und Chef des eigenen Betriebs HMB Dachdeckermeisterbetrieb, sondern auch der Älteste in seinem Team. Im Sommer 2025 hat sich der junge Ostfriese in Wittmund selbstständig gemacht. Keine zwölf Monate später beschäftigt er bereits zwei Gesellen, ist von der heimischen Garage in eine eigene Halle umgezogen und plant als nächsten Schritt, möglichst bald selbst Dachdeckernachwuchs auszubilden.

Ein junger Mann mit Bart lächelt und trägt ein dunkelblaues Poloshirt mit einem Namensaufdruck, im Hintergrund ist ein Baugerüst und ein gelbes Schild zu sehen.
Hauke Meyer-Behrends ist mit 27 Jahren der Älteste im Team seines im Sommer 2025 gegründeten HMB Dachdeckermeisterbetriebs. (Fotos: HMB)

Unendlich viel Spaß am Werken mit der Hand

Dass er einmal im Handwerk landen würde, war für Hauke Meyer-Behrends eigentlich schon früh klar. Sein Großvater war Maurer und Betonbauer und hatte einen Hof, auf dem der Enkel als Kind viel Zeit verbrachte und mit anpackte. Sein Vater ist zwar kein Handwerker von Beruf, reparierte zuhause aber vieles selbst. „Wenn irgendetwas gemacht werden musste, war ich immer dabei“, erinnert sich Hauke Meyer-Behrends. „Ich wollte schon früh ins Handwerk. Das hat mir einfach unendlich viel Spaß gemacht.“

Ein Mann mit Gehörschutz sägt mit einer elektrischen Handsäge Holz, während er Handschuhe trägt. Im Hintergrund ein Sicherheitszaun und grüne Vegetation.
Hauke Meyer-Behrends hat unendlich viel Spaß am Werken mit der Hand und packt selbst auf der Baustelle mit an.

Berufswunsch stand nach einem Tag fest

Mit 14 Jahren absolvierte er sein erstes Praktikum bei einem Dachdeckerbetrieb. Die Firma Nöth aus Jever war der Familie bereits bekannt. Der Betrieb hatte das Dach des Elternhauses gedeckt und war in Erinnerung geblieben – auch wegen der netten und kinderfreundlichen Handwerker, die dem neugierigen kleinen Jungen vieles erklärt und gezeigt hatten. Als Hauke Meyer-Behrends ein Schulpraktikum zur Berufsorientierung absolvieren sollte, schlug daher seine Mutter vor, bei Nöth anzufragen. Das klappte sofort. Zwei Wochen lang durfte er mitarbeiten – und war begeistert. Ein Jahr später folgte trotzdem noch ein zweites Praktikum im Metallbau. „Ich wollte mir auch ein anderes Gewerk anschauen, aber schon nach einem Tag dort war mir klar: ich werde Dachdecker“, erzählt er und lacht.

„Die Ausbildung hat mega viel Spaß gemacht. Ich hatte einen tollen Ausbildungsbetrieb.“

Als Geselle früh Verantwortung übernommen

So begann Hauke Meyer-Behrends 2016 seine Ausbildung bei der Firma Nöth. Drei Jahre später schloss er sie als Prüfungsbester ab. „Die Ausbildung hat mega viel Spaß gemacht. Ich hatte einen tollen Ausbildungsbetrieb.“ Nach dem Gesellenbrief blieb er seinem Lehrbetrieb treu. Nöth ist in der Region seit Jahrzehnten etabliert und arbeitet mit einem hohen Qualitätsanspruch. Von diesem Umfeld profitierte der junge Dachdecker nach eigener Aussage sehr. Schon früh traute man ihm viel zu. Er bekam einen Auszubildenden an die Seite gestellt, durfte selbstständig mit dem Firmenwagen auf Baustellen fahren und übernahm zunehmend Verantwortung. Später leitete er größere Baustellen und führte Kolonnen. „Ich wollte selbstständig arbeiten, und ich durfte das auch.“

Nächster Schritt: Meisterschule

Sich aufs Erreichte auszuruhen, passte allerdings noch nie besonders gut zu Hauke Meyer-Behrends. Privat hatte er inzwischen ein Haus gekauft und kernsaniert. „Und dann hatte ich irgendwie Langeweile“, erzählt er schmunzelnd. Also folgte der nächste Schritt: die Meisterschule. Seinen Ausbilderschein erwarb er bereits 2023. Für die fachpraktischen und fachtheoretischen Teile der Meisterprüfung ging es anschließend in Vollzeit ins rund vier Autostunden entfernte St. Andreasberg. „Die langen Fahrten haben mein Kollege und ich genutzt, um zu lernen“, erinnert sich Hauke Meyer-Behrends. „Wir haben uns gegenseitig abgefragt, Stoff wiederholt und uns ausgetauscht.“ Die Meisterschule eröffnete ihm einen neuen Blick auf den eigenen Beruf. „Man bekommt noch einmal ganz andere Einblicke, auch darin, was für eine Verantwortung ein Meister trägt und was alles dazugehört.“

Nach dem Meistertitel kehrte Hauke Meyer-Behrends zunächst bewusst in seinen Ausbildungsbetrieb zurück. Trotz der neuen Qualifikation wollte er nicht sofort den nächsten Karriereschritt erzwingen. „Mir war wichtig, erst noch weitere praktische Erfahrung zu sammeln.“ Also arbeitete der frischgebackene Meister weiter auf der Baustelle, als Vorarbeiter und mitten im Team. Einen dauerhaften Platz im Büro gab es für ihn allerdings nicht. So wurde für den jungen Mann eine Frage immer konkreter: Warum nicht selbst gründen?

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Schritt in die Selbstständigkeit gewagt

Im Juli 2025 war es so weit. Er meldete den HMB Dachdeckermeisterbetrieb bei der Handwerkskammer für Ostfriesland an und wagte den Schritt in die Selbstständigkeit. Wie richtig dies war, weiß er heute: „Ich habe den Schritt nie bereut“, sagt er. Gestartet ist Hauke Meyer-Behrends dort, wo viele Handwerksgeschichten anfangen: zuhause. Die Garage diente als Lager, die Auffahrt als zusätzliche Betriebsfläche. Doch lange reichte das nicht. Bereits im November 2025 kam der erste Geselle ins Team. Er investierte in neue Maschinen und größere Geräte, darunter eine Kantbank. Doch wohin damit?

Von der Garage in die eigene Halle

Geeignete Gewerbeflächen für einen jungen Handwerksbetrieb zu finden, erwies sich in Wittmund allerdings als gar nicht so einfach. Hauke Meyer-Behrends wandte sich deshalb direkt an den Bürgermeister. Mit dessen Unterstützung fand er schließlich eine passende Halle, von der sein Betrieb heute rund die Hälfte nutzt. Dort befinden sich Lager, Aufenthaltsraum und Büro. Im Juni 2026 stieß dann der zweite Geselle zum Team. Damit besteht HMB heute aus drei jungen Dachdeckern – und der 27-jährige Gründer ist tatsächlich der Älteste.

Ein Chef ohne Chefallüren

Hauke Meyer-Behrends gefällt genau das. Er will keinen Betrieb führen, in dem Hierarchien darüber entscheiden, wer sprechen darf und wer besser still ist. „Wir sind alle auf Augenhöhe und können alles miteinander besprechen.“ Die klassischen Handwerksklischees haben in seinem Unternehmen wenig Platz. Das zeigt sich auch im brandneuen Imagevideo des Betriebs. Zu sehen sind keine gestellten Chefposen, sondern ein junges Team bei der Arbeit in sichtbar guter Stimmung. Hauke Meyer-Behrends wirkt dabei wie einer, der ziemlich zufrieden damit ist, genau dort gelandet zu sein, wo er heute steht: im eigenen Betrieb und möglichst oft selbst auf dem Dach.

Zwei junge Männer in schwarzen T-Shirts mit Namensschildern stehen draußen vor einem modernen Gebäude aus Glas.
Auf der IdeenExpo 2026 in Hannover war Hauke Meyer-Behrends (vorne rechts) vor Ort als Ansprechpartner für die Jugendlichen. (Foto: Dachmarketing GmbH)

Nachwuchs fürs Handwerk begeistern

Dass die Dachdeckerbranche Nachwuchs braucht, weiß Hauke Meyer-Behrends. Aber nur darüber zu klagen, dass junge Leute nicht mehr ins Handwerk wollen, ist seine Sache nicht. Er will ihnen lieber zeigen, warum sie es doch tun sollten. Ehrenamtlich engagiert er sich als Jugendbeauftragter des Landesinnungsverbands für den Innungsbereich Ostfriesland. Er ist auf Ausbildungsmessen wie der IdeenExpo 2026 in Hannover vor Ort als Ansprechpartner für die Jugendlichen und besucht Schulen. Dabei soll Handwerk möglichst nicht nur erklärt, sondern vor allem erlebt werden. Wenn Jugendliche selbst ein Schieferherz herstellen und anschließend stolz ihr Werk in der Hand halten, gibt es immer wieder genau den Moment, auf den es Hauke Meyer-Behrends ankommt. „Dann sieht man dieses Leuchten in den Augen, weil sie merken, wie toll es ist, selbst etwas zu schaffen.“

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Gerne selbst ausbilden

Auch im eigenen Betrieb möchte der Dachdeckermeister deshalb möglichst bald ausbilden. Mehrere Praktikanten waren bereits bei HMB. Für einen Ausbildungsstart 2026 war die Zeit nach der jungen Betriebsgründung noch etwas knapp. Im kommenden Jahr soll es dann aber mit einem eigenen Azubi klappen. Dabei spielt auch seine eigene Erfahrung eine Rolle. „Ich habe selbst eine richtig gute Ausbildung bekommen. Das würde ich gerne weitergeben.“

Handwerk mit Zukunft

Bei aller Begeisterung für traditionelle handwerkliche Fähigkeiten bedeutet Zukunft für Hauke Meyer-Behrends keineswegs, alles so zu machen wie früher. Im Gegenteil: Ein moderner Dachdeckerbetrieb müsse innovativ sein und technische Möglichkeiten nutzen, davon ist der ambitionierte Dachdeckermeister überzeugt. Bei der Begutachtung von Dächern setzt HMB daher beispielsweise auf Drohnentechnik. Besonders bei Sturmschäden oder älteren Dächern lassen sich so erste Informationen gewinnen, ohne dass ein Mitarbeiter unnötig ein möglicherweise unsicheres Dach betreten und seine Gesundheit riskieren muss.

Auch Gründächer möchte Hauke Meyer-Behrends künftig stärker voranbringen. Für ihn sind sie ein Beispiel dafür, wie sich das Dachdeckerhandwerk verändern kann und welchen Beitrag für den Klimaschutz Dächer künftig leisten können. „Begrünte Flächen schaffen neuen Lebensraum, verbessern das Mikroklima und machen aus bislang weitgehend ungenutzten Dachflächen einen aktiven Bestandteil des Gebäudes. Das ist für mich ein Dach für die Zukunft.“

Der Küstendachdecker für Wittmund

Bei allen Plänen ist seine Vorstellung vom eigenen Unternehmen bemerkenswert bodenständig. HMB soll kein möglichst großer Betrieb werden, der nur noch lukrative Großprojekte abarbeitet. Hauke Meyer-Behrends möchte vor allem der Dachdecker vor Ort sein. „Ich wollte immer der erste Dachdecker in Wittmund sein“, sagt er. Das hat er geschafft. Und dazu gehört für ihn ausdrücklich auch, Arbeiten anzunehmen, die andernorts vielleicht durchs Raster fallen: ein Dachfenster austauschen, eine Reparatur erledigen, nach einem Schaden kurzfristig helfen. „Wir sind echte Küstendachdecker“, sagt Hauke Meyer-Behrends. Gerade kleinere Aufträge seien wichtig, weil Kunden dafür ebenfalls jemanden bräuchten, der komme und sich kümmere. Vielleicht beschreibt genau das den jungen Betrieb am besten. Hauke Meyer-Behrends hat große Ziele, aber keine Lust auf große Worte oder eine große Show. Er möchte wachsen, ausbilden, neue Technik einsetzen und sein Handwerk weiterentwickeln. Gleichzeitig will er selbst weiter auf dem Dach arbeiten – als einer, der am Ende des Tages sieht, was er mit den eigenen Händen geschaffen hat. Und wenn dann auch noch ein Kunde lächelt, ist für ihn ziemlich viel richtig gelaufen.

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