Lorelay Wegner: Eine starke Stimme für das Dachhandwerk
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WDR-Doku, Radiointerviews und mehr als 13 000 Follower auf Instagram: Dachdeckerin Lorelay Nova Wegner erreicht mit Einblicken in ihren Berufsalltag inzwischen ein Publikum weit über das Dachhandwerk hinaus. Dabei spricht sie über ihren Beruf, Frauen im Handwerk und die Frage, wie sich junge Menschen für das Handwerk erreichen lassen.
Vom Bewerbungsvideo zu „Azubi Storys“
Dass Lorelay Wegner über mehrere Monate von einem Fernsehteam auf Baustellen begleitet werden würde, begann eher beiläufig. Im elterlichen Dachdeckerbetrieb ging eine Anfrage für ein neues Fernsehformat ein, Lorelay selbst hatte davon zunächst nichts mitbekommen. Bis ihr Vater eines Tages mit dem Handy auf einer Baustelle auftauchte: „Mein Papa kam auf einmal und meinte: ‚Ich filme euch jetzt mal, wie ihr das so macht. Wir haben da eine Anfrage bekommen.“ Aus dem spontan gedrehten Material mit ihrem Kollegen Christoph schnitt sie ein kurzes Bewerbungsvideo. Wenig später stand fest: Die beiden würden Teil der WDR-Dokureihe „Azubi Storys“, in der Dachdecker einer von mehreren vorgestellten Berufen ist.

Das Portrait von Lorelay Wegner: Dachdeckerin und Feuerwehrfrau!
Wenn das Fernsehteam mit auf die Baustelle kommt
Die Dreharbeiten begannen im Frühjahr 2025 und erstreckten sich über mehrere Monate. An mehreren Terminen begleitete das Produktionsteam Lorelay Wegner und ihren Kollegen jeweils für einige Tage auf unterschiedlichen Baustellen. „Wenn auf einmal fünf, sechs Leute hinter einem stehen und einem auf die Finger schauen, ist das schon ein komisches Gefühl“, erinnert sie sich. Auch das Sprechen vor der Kamera war für Lorelay damals noch ungewohnt.
Zwar hatte ihr Instagram-Kanal bereits rund 5000 Follower, doch direkt in die Kamera sprach sie nur selten. „Ich war auch ziemlich nervös. Das war etwas ganz Neues für mich.“ Noch ungewohnter dürfte die Situation für den Kollegen Christoph gewesen sein. Soziale Medien sind nicht sein Thema und von Kameras hält er sich lieber fern. Dass er durch das spontane Bewerbungsvideo plötzlich Teil einer mehrmonatigen Fernsehproduktion wurde, war so nicht geplant. „Der Arme“, sagt Wegner lachend. Mit der Zeit fanden aber beide Gefallen am Dreh.
Was die Doku vom Dachdeckerberuf zeigt
Während der Dreharbeiten befand sich Lorelay Wegner im zweiten Ausbildungsjahr. Ihr war wichtig, dass die Dokumentation nicht nur sie, sondern vor allem die praktische Arbeit zeigt. „Ich wollte auf jeden Fall zeigen, dass ich mit anpacke, dass ich mich vor nichts scheue und dass ich als Mädel genau das Gleiche schleppe wie die Jungs.“ Auch weil sie ihre Ausbildung im Unternehmen ihres Vaters absolvierte und immer wieder mit der Aussage konfrontiert wurde, dadurch Vorteile zu haben.
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„Azubi Storys“ zeigt zugleich die Bandbreite des Dachdeckerberufs: Balkone abdichten, Fallrohre montieren oder Fenster einbauen gehören ebenso zum Alltag wie verschiedene Arbeiten am Dach. Auch die Zusammenarbeit im Team spielt eine wichtige Rolle. „Im Handwerk generell ist Teamarbeit sehr wichtig und wir haben bei uns im Betrieb wirklich viel Spaß und ein gutes Miteinander“, erzählt Lorelay Wegner.
Die Resonanz auf „Azubi Storys“
Wie die fertigen Folgen aussehen würden, wusste Lorelay Wegner lange nicht. Vorab erhielt sie keinen Einblick in das Material. Erst rund ein Jahr nach den Dreharbeiten sah sie die Episoden im Fernsehen. Inzwischen hatte sie ihre Ausbildung zur Dachdeckerin abgeschlossen. Mit der Veröffentlichung der Serie wuchs auch die öffentliche Bekanntheit: Auf Baustellen wurde sie erkannt, Medien fragten Interviews an, Unternehmen meldeten sich mit Kooperationsangeboten und die Zahl ihrer Instagram-Follower nahm zu.
Noch heute schicken ihr Menschen Fotos, wenn sie gerade eine Folge von „Azubi Storys“ anschauen. Wichtiger als die reine Reichweite sind für die Dachdeckerin jedoch die persönlichen Rückmeldungen. Immer wieder schrieben ihr Menschen, dass sie durch ihre Beiträge auf das Dachdeckerhandwerk aufmerksam geworden seien.
„In diesem männerdominierten Beruf komme ich mir manchmal wie ein Alien vor.“
Pinkes Werkzeug trifft Baustelle
Make-up, Gelnägel und pinkes Werkzeug gehören für Lorelay Wegner ebenso selbstverständlich dazu wie Arbeitskleidung und Arbeiten auf dem Dach. Für sie ist genau diese Kombination Teil der Botschaft, die sie über Instagram vermittelt. Wer einen handwerklichen Beruf ergreift, muss deshalb nicht die eigene Persönlichkeit verändern. Dass diese Selbstverständlichkeit noch nicht überall angekommen ist, erlebt sie regelmäßig. In einem ARD-Livestream wurde sie gefragt, wie es sich anfühle, als Frau in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten. Ihre spontane Antwort: Manchmal „wie ein Alien“. Denn auch 2026 wird sie noch häufig nicht einfach als Dachdeckerin wahrgenommen, sondern als Frau in einem vermeintlichen Männerberuf. Für Lorelay ist diese Unterscheidung längst überholt: Ob jemand Dachdecker oder Dachdeckerin ist, sollte aus ihrer Sicht keine Besonderheit mehr sein.

Inspiration sein für junge Frauen
Auch ihr eigener Berufswunsch stieß während der Schulzeit nicht überall auf Zustimmung. Andere Dachdeckerinnen auf Social Media bestärkten sie damals in ihrer Entscheidung. Heute möchte sie selbst diese Rolle übernehmen: „Ich bin damals Dachdeckerinnen auf Instagram gefolgt und möchte diese Inspiration heute auch für andere sein.“ Dass solche Einblicke tatsächlich etwas bewirken können, zeigen die Rückmeldungen aus ihrer Community. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine 49-jährige Frau, die bislang im Büro arbeitet und sich einen Wechsel ins Handwerk lange nicht zutraute. Inspiriert durch Lorelay Wegners Beiträge entschied sie sich schließlich für ein Praktikum als Dachdeckerin. „So etwas gibt mir die Motivation für meine Öffentlichkeitsarbeit.“
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Authentisch statt inszeniert
Auf Instagram zeigt Lorelay Wegner vor allem Situationen aus ihrem Arbeitsalltag, aber auch lustige Momente mit den Kollegen. Auf aufwendig inszenierte Inhalte verzichtet sie bewusst. „Ich bin so, wie ich bin. Ich nehme keine Aufnahme zweimal auf. Entweder ich verplappere mich oder ich sage es so, wie ich es sage.“ Auch bei Kooperationen ist ihr wichtig, dass Unternehmen und Produkte zu ihr und ihrem Berufsalltag passen. „Ich will nicht um jeden Preis berühmt werden, sondern eine treue Community haben, die auf mein Feedback zählen kann.“



Botschafterin über die eigene Community hinaus
Längst beschränkt sich Lorelay Wegners öffentliche Präsenz nicht mehr auf Instagram. Mehrfach war sie bei Deutschlandfunk Nova zu Gast, etwa zum Thema Arbeiten bei Hitze. „Dass Radiosender sich bemühen, fürs Handwerk Werbung zu machen, finde ich klasse. Das unterstütze ich.“ Allerdings nimmt sie nicht jede Medienanfrage an. Entscheidend ist für sie, dass sie ihren Beruf so darstellen kann, wie sie ihn selbst erlebt. Vorgegebene Aussagen oder stark inszenierte Auftritte lehnt sie ab.
Über Instagram, Fernsehen und Radio erreicht Lorelay Wegner inzwischen Menschen, die mit dem Dachdeckerhandwerk zuvor möglicherweise kaum Berührungspunkte hatten. Damit hat sich auch ihr eigener Blick auf ihre öffentliche Rolle verändert. „Ich habe irgendwann gemerkt: Ich bewirke etwas für meinen Beruf mit dem, was ich mache, und das ist richtig klasse.“ Als Botschafterin für das Dachhandwerk versteht sie sich deshalb durchaus. Nicht im Sinne einer offiziellen Funktion, sondern indem sie zeigt, wie ihr Berufsalltag tatsächlich aussieht. Dabei möchte Lorelay mit überholten Vorstellungen aufräumen, jungen Menschen Einblicke geben und Interesse an einem Beruf wecken, den viele bislang vielleicht gar nicht für sich in Betracht gezogen haben.
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Meisterschule als nächster Schritt
Mit der Meisterschule beginnt für Lorelay Wegner bald ein neuer Abschnitt. Perspektivisch möchte sie zudem stärker in den Familienbetrieb hineinwachsen. Auch ein Engagement in Innung oder Verband kann sie sich grundsätzlich vorstellen. Ihr Vater ist bereits im Vorstand der Innung aktiv. Konkrete Ziele setzt sie sich in diesem Bereich derzeit jedoch nicht. Denn auch ohne offizielles Amt trägt Lorelay Wegner bereits dazu bei, das Dachhandwerk nach außen sichtbarer zu machen. Ob auf dem Dach, in der Meisterschule oder vor der Kamera: Lorelay Wegner bleibt dabei vor allem eines: Dachdeckerin mit klarer Haltung und Freude an einem Beruf, für den sie sich bewusst entschieden hat.