Zimmerer Florian Dorer kämpft um Gold bei WorldSkills 2026
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Wenn Florian Dorer über Holz spricht, klingt das nicht nach Arbeit. Es klingt nach Leidenschaft, mehr noch nach Berufung. „Holz ist ein wahnsinnig cooler Werkstoff“, erläutert der 22-Jährige aus Furtwangen im Schwarzwald, dort, wo es Holz ohne Ende gibt: „Es macht Spaß damit zu arbeiten. Kein Tag ist wie der andere.“ Und genau dieser junge Zimmerergeselle wird Deutschland vom 22. bis 27. September bei den WorldSkills 2026 in Shanghai vertreten, also der „Berufs-Olympiade“. Dort trifft er auf die besten Zimmerer aus 17 Nationen. Hunderttausende Besucher werden erwartet. Und vielleicht kann Florian Dorer in die Fußstapfen von Alex Bruns treten, der 2019 die WorldSkills gewann.


Zehn Jahre Schule reichen
Für Florian Dorer ist es der bisherige Höhepunkt einer bemerkenswerten Entwicklung, die vor wenigen Jahren mit einem banalen Ferienpraktikum begann. Bereits während seiner Schulzeit am Gymnasium zog es ihn immer wieder auf die Baustelle. Während andere in den Ferien ausschliefen, arbeitete Florian freiwillig im Zimmereibetrieb mit. Nach der zehnten Klasse zog er die Konsequenz: Mittlere Reife reicht! Florian Dorer begann die Ausbildung, bereut hat er diese Entscheidung nie. „Sonst wäre ich jetzt nicht hier“, sagt er trocken – und lächelt.
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Deutscher Meister und WM-Teilnahme
Die Zimmerer-Karriere des jungen Schwarzwälders verlief nahezu bilderbuchartig, wenn auch mit viel Schweiß, Ehrgeiz und erstaunlich viel (Selbst-) Disziplin. Florian Dorer wurde zunächst Innungssieger, anschließend Kammersieger, Landessieger und schließlich 2023 Deutscher Meister der Zimmerer. Keine Hürde war zu hoch. Der Erfolg brachte ihm einen Platz in der Nationalmannschaft der Zimmerer. Seit zweieinhalb Jahren trainiert er dort regelmäßig auf höchstem Niveau. Im April setzte Florian Dorer sich schließlich beim Ausscheidungstraining in Kassel gegen seine Teamkollegen durch. Seitdem steht fest: Er vertritt die deutschen Zimmerer beim Wettkampf in Shanghai.
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In der Freizeit trainieren für Shanghai
Der Weg dorthin ist allerdings weit entfernt von einer normalen Vorbereitung. Während andere junge Männer in seinem Alter Fußball spielen oder feiern gehen, verbringt Florian Dorer seine Freizeit in der Werkstatt. Zwischen 800 und 1000 Stunden Training investiert er pro Jahr zusätzlich zu seinem Beruf in die Vorbereitung auf den Wettkampf. „Da bleibt nicht mehr ganz so viel Zeit für andere Sachen“, gibt er zu. Sogar Fußball spielt er inzwischen nur noch vorsichtig bei den „Alten Herren“, um das Verletzungsrisiko gering zu halten. Denn bei den WorldSkills will er unbedingt antreten.

Wettkampf auf Meisterniveau – oder darüber hinaus
Was viele unterschätzen: Die Aufgaben bei den WorldSkills haben mit der Routine oder dem Ablauf einer normalen Gesellenprüfung nur noch wenig zu tun. Die Modelle, die dort gebaut werden, gelten selbst unter Zimmerermeistern als extrem anspruchsvoll. „Die deutsche Meisterschaft ist von der Geometrie und Komplexität her schon schwieriger als eine Meisterprüfung“, erklärt Dorer. Jetzt geht’s noch eine Etage höher, mit Riesenschritten.
80 bis 100 Hölzer bei den WorldSkills
Die Aufgaben bei den WorldSkills sind geometrisch zwar weniger komplex als bei einer deutschen Meisterschaft, dafür ist aber viel mehr Holz zu bearbeiten, 80 bis 100 Hölzer. Die Teilnehmer fertigen komplexe Konstruktionen im Maßstab 1:1, vorher selbst komplett von Hand gezeichnet. Computer? Fehlanzeige. Aufriss, Konstruktion, Zuschnitt und Montage erfolgen traditionell. Die Modelle bestehen aus mehreren Modulen: Wände, Dachkonstruktionen, Balkone, Fassaden oder Treppen. Oft schiefwinklig, kompliziert verschachtelt und mit geometrischen Herausforderungen, die selbst erfahrene Zimmerer ins Schwitzen bringen würden. Präzision ist hier alles.
Private Werkstatt auf Wettkampfniveau
Florian Dorer trainiert dafür nicht nur mit den Teamkollegen der Zimmerer-Nationalmannschaft unter Anleitung in den Bildungszentren der Zimmerer in Kassel und Biberach oder bei den Leistungspartnern, sondern auch zuhause. In einer eigens eingerichteten Werkstatt stehen Nachbauten früherer Weltmeisterschaftsmodelle. Dort wird gesägt, gezeichnet, angepasst und perfektioniert. Auch das Zeichnen übt Florian Dorer in der eigenen Werkstatt. Wie er das finanziert? Die Nationalmannschaft trägt Kosten für Maschinen und Material. Die Räume stellt er selbst. „Mittlerweile ist das schon fast Wettkampfniveau“, sagt er über seine private Werkstatt.

Eltern und Arbeitgeber unterstützen
Seine Eltern mussten dafür einiges mitmachen. Als Florian Dorer zuletzt mehrere Kubikmeter Holz als Vorrat anliefert, soll seine Mutter trocken festgestellt haben: „Jetzt gibt es wirklich gar keinen Platz mehr.“ Die Antwort des Sohnes: „Dann müsst ihr halt anbauen.“ Kein Problem, mit einem Zimmerer im Haus. Die Unterstützung vom Arbeitgeber, der Zimmerei Fürderer in Titisee-Neustadt, hält Florian zusätzlich den Rücken frei.
„Sobald man den Plan bekommt, ist man derart fokussiert, dass man gar keine Zeit mehr hat, nervös zu sein.“
Fokussiert wie ein Spitzensportler
Im Gespräch wird schnell deutlich: Florian Dorer denkt wie ein Leistungssportler. Er wirkt dabei ruhig, konzentriert und bodenständig, kommt ohne große Worte aus. Nervosität kennt er durchaus, aber nur bis zum Wettkampfbeginn. „Sobald man den Plan bekommt, ist man derart fokussiert, dass man gar keine Zeit mehr hat, nervös zu sein.“ Diese mentale Stärke dürfte in Shanghai entscheidend werden. Vier Wettkampftage, riesige Messehallen, internationale Konkurrenz und rund 100 000 erwartete Besucher täglich werden eine Atmosphäre erzeugen, die selbst erfahrene Profis beeindruckt.
Die WorldSkills gelten als größte Berufsmeisterschaft überhaupt. Rund 1400 Teilnehmer aus etwa 60 Berufen treten dort gegeneinander an – vom Zimmerer über Maurer und CNC-Techniker bis hin zu Köchen, Friseuren oder Flugzeugtechnikern. In Europa ist das Ereignis vergleichsweise wenig bekannt. In Asien dagegen genießen die Teilnehmer beinahe Starstatus. „Dort haben Berufswettkämpfe einen viel höheren Stellenwert“, erzählt Florian Dorer.
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Bodenständig trotz großer Bühne
Trotz aller Erfolge wirkt Florian Dorer bemerkenswert geerdet. Da gibt es kein lautes Auftreten, kein Pathos vor dem großen Wettkampf. Stattdessen spricht er lieber über den Werkstoff Holz, über Fachwerkhäuser oder darüber, wie schön es sei, am Abend zu sehen, was man geschaffen hat. „Andere haben am Ende des Tages vielleicht ein leeres E-Mail-Postfach“, sagt er. „Wir sehen ein Haus stehen.“ Vielleicht ist genau das seine größte Stärke: die Mischung aus handwerklicher Präzision, Ehrgeiz und echter Begeisterung für den Beruf.
Meisterschule steht auf dem Plan
Nach Shanghai will er erst einmal „einfach arbeiten gehen“. Später steht die Meisterschule auf dem Plan. Aber zunächst zählt nur ein Ziel: die WorldSkills. Und vielleicht schreibt der junge Zimmerer aus dem Schwarzwald dort ein weiteres Kapitel seiner außergewöhnlichen Geschichte. Wir werden das beobachten und darüber berichten!