Ausbildung als Zukunftsmodell: Dachdeckerei Ewald Sahm
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Inhaltsverzeichnis
Fachkräftemangel, unbesetzte Lehrstellen, fehlender Nachwuchs. Viele Handwerksbetriebe kämpfen derzeit mit denselben Problemen. Während andernorts über Nachwuchssorgen geklagt wird, verfolgt die Ewald Sahm GmbH, Mitglied der DEG Alles für das Dach eG, einen anderen Ansatz: Ausbildung als fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. So sind unter den 41 Mitarbeitenden aktuell elf Auszubildende. Allein 2025 starteten sechs neue Lehrlinge. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das keine Selbstverständlichkeit. „Wenn wir unsere Mannschaft halten wollen, müssen wir ausbilden“, erläutert Geschäftsführer Michael Sahm. Nachwuchsarbeit ist für ihn keine Zusatzaufgabe, sondern betriebliche Notwendigkeit und eine wichtige Investition in die Zukunft.

Ewald Sahm GmbH: Zwei Brüder übernehmen Familienbetrieb
Früh Präsenz zeigen
Ein Baustein der Nachwuchsarbeit liegt direkt vor der Haustür. Oberhalb des Betriebsgeländes der Ewald Sahm GmbH befindet sich eine Gemeinschaftsschule. Schon vor Jahren suchten Michael und sein Bruder und Co-Geschäftsführer Pascal Sahm gezielt den Kontakt zu den Lehrkräften und bauten eine Kooperation auf. „Dort waren viele Industriebetriebe vertreten, aber kaum Handwerk“, sagt Michael Sahm. „Also sind wir hingegangen.“ Seitdem gehören Praktika, Betriebsbesuche und Gespräche mit Schülern und Lehrern zum Alltag.
Wer sich für einen handwerklichen Beruf interessiert, kennt den Betrieb oft schon, bevor er oder sie eine Bewerbung schreibt. Auch Ferienjobs oder freiwillige Praktika sind jederzeit möglich. Dabei geht es nicht nur darum, Nachwuchs zu gewinnen, sondern auch um Orientierung. „Wenn jemand merkt, dass der Beruf nichts für ihn ist, ist das genauso wichtig“, erklärt Michael Sahm. „Dann hat man trotzdem etwas gelernt.“
In Burbach präsent sein
Neben der Kooperation mit der Schule setzt der Betrieb auch ansonsten auf Sichtbarkeit im direkten Umfeld. Beide Geschäftsführer engagieren sich ehrenamtlich: Pascal in der Feuerwehr als Gemeindejugendwart, sein Bruder Michael im örtlichen Fußballverein. Man kennt sich in Burbach, trifft sich auf Veranstaltungen oder im Vereinsleben. Vertrauen entsteht so lange vor einer Bewerbung.
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Auch soziale Medien spielen eine Rolle, allerdings weniger als viele vielleicht denken. Statt aufwendiger Kampagnen gibt es, wenn es zeitlich reinpasst, Einblicke aus dem Arbeitsalltag. Die Fotos von Baustellen oder Teamaktionen reichen oft aus, um ein realistisches Bild vom Betrieb zu vermitteln. Entscheidend ist jedoch vor allem die tägliche Arbeit selbst. „Ein Kunde, bei dem wir arbeiten, ist für uns die beste Werbung“, sagt Michael Sahm. „Wenn Kunden erleben, dass ein Team ordentlich arbeitet, fair kommuniziert und respektvoll miteinander umgeht, spricht sich das herum.“
Ausbildung als Teil der Personalplanung
Der hohe Ausbildungsanteil ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster Planung. Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt, dass mehrere erfahrene Gesellen in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. „Drei von unseren guten Leuten werden bald 60“, berichtet Michael Sahm. „Wenn ich unsere Personalstärke halten will, muss ich ausbilden.“ Im Holzbau starteten deshalb gleich drei Zimmerer-Auszubildende in einem Jahrgang. Zu viele? Für Sahm nicht. „Wissenstransfer braucht Zeit. Drei Ausbildungsjahre ersetzen keine jahrzehntelange Erfahrung. Je früher junge Mitarbeiter neben erfahrenen Gesellen mitlaufen, desto besser funktioniert der Übergang.“

„Entscheidend ist, dass die Auszubildenden früh Verantwortung übernehmen. Nur zuschauen bringt nichts. Man muss es selbst machen.“ Michael Sahm
Lernen geht vor Tempo
Die Auszubildenden bei der Ewald Sahm GmbH werden im Alltag sofort integriert. Feste Ansprechpartner begleiten die Auszubildenden. „Entscheidend ist, dass sie früh Verantwortung übernehmen. Nur zuschauen bringt nichts. Man muss es selbst machen“, erläutert Michael Sahm. Dafür nimmt der Betrieb bewusst in Kauf, dass Abläufe hin und wieder länger dauern. „Da muss einem das Wirtschaftliche auch mal egal sein.“ Das Motto: Lernen geht vor Tempo.
Manchmal schafft man sich im Betrieb dafür gezielt Freiräume: Mehrfach traf sich das Team samstags freiwillig in der Werkshalle, um traditionelle Dachstühle von Hand zu zimmern. „Eigentlich unwirtschaftlich, fachlich aber unglaublich wertvoll“, sagt Pascal Sahm. Erfahrene Gesellen arbeiteten dabei Seite an Seite mit den Auszubildenden. „Sogar unser Altgeselle war dabei und hatte einen tierischen Spaß.“ Viel mehr Ausbildungsmarketing brauche es nicht.
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Ausbildung im Team
Ein funktionierendes Umfeld ist für Michael Sahm die Grundlage jeder Ausbildung. „Respekt gehört einfach dazu.“ Viele Mitarbeiter bleiben über Jahre oder Jahrzehnte. Erfahrene Fachkräfte und Nachwuchs ergänzen sich. „Die Mischung macht’s.“ Und diese Mischung wird immer vielfältiger. Zunehmend entscheiden sich auch junge Frauen für das Dachhandwerk. Seit vergangenem Jahr absolviert eine Dachdeckerin ihre Ausbildung im Betrieb, eine ehemalige Zimmerer-Auszubildende macht aktuell den Meister und plant danach ihre Rückkehr.


Für das Team seien Frauen eine Bereicherung, berichtet Michael Sahm. Der Umgang werde rücksichtsvoller, die Dynamik insgesamt positiver. Welche Eigenschaften er von Bewerbern auf eine Lehrstelle erwartet? „Man muss bereit sein, sich die Finger schmutzig zu machen und sich durchzubeißen.“ Motivation und Durchhaltevermögen seien dabei wichtiger als perfekte Noten. Schlagfertigkeit helfe im Baustellenalltag, aber auch zurückhaltendere Jugendliche könnten sich entwickeln, wenn das Umfeld stimme.
Perspektiven nach der Lehre
Wer seine Ausbildung erfolgreich abschließt, hat gute Chancen, im Betrieb bleiben zu können. „Wenn jemand gut ist und ins Team passt, wollen wir ihn natürlich übernehmen“, sagt Sahm. Gerade angesichts des Fachkräftemangels sei das der sinnvollste Weg. Früher habe man junge Gesellen oft ermutigt, zunächst Erfahrungen in anderen Betrieben zu sammeln. Heute gehe es stärker darum, langfristig zu binden. Eingearbeitete Fachkräfte, die Abläufe und Kunden kennen, seien in Handwerksbetrieben ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Warum sich Handwerk lohnt
Warum sich junge Menschen für das Handwerk entscheiden sollten? Für Michael und Pascal Sahm ist die Antwort klar: „Weil man jeden Tag sieht, was man geschafft hat.“ Draußen arbeiten, im Team Verantwortung übernehmen, abends ein fertiges Dach oder einen aufgerichteten Dachstuhl vor sich haben. Dieser direkte Bezug zur eigenen Arbeit sei durch nichts zu ersetzen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum Ausbildung bei Sahm als Selbstverständlichkeit gilt: Wer den Beruf selbst so erlebt hat, gibt diese Erfahrung weiter. Und sorgt damit ganz selbstverständlich dafür, auch in Zukunft gut aufgestellt zu sein.