Jannik Reinhard: Zwischen Dach und Nürburgring
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Wenn Jannik Reinhard morgens mit der Arbeit beginnt, geht es um Kundenanfragen, Materiallisten und Dachflächen. Wenige Stunden später sitzt derselbe Mann in einem Rennwagen auf der Nürburgring-Nordschleife, konzentriert mit jeder Faser seines Körpers, bereit für Geschwindigkeiten jenseits der 240 Stundenkilometer.



Zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen – und die bei genauerem Hinsehen doch erstaunlich viel gemeinsam haben. Denn sowohl im Handwerk als auch im Motorsport zählen Präzision, Ausdauer und absolute Verlässlichkeit. Eigenschaften, mit denen sich der Dachdeckermeister aus dem Kreis Neuwied längst einen Namen gemacht hat. Nicht nur im Familienbetrieb H. Reinhard Bedachungs GmbH, den er im Laufe des Jahres in fünfter Generation von seinem Vater übernehmen und weiterführen wird, sondern inzwischen auch in der deutschen Langstreckenszene auf dem Nürburgring.
Dachdecker Reinhard: Familienbetrieb mit zündenden Ideen
Sportlicher Ritterschlag
Jetzt folgt für den 28-Jährigen ein weiterer großer Schritt: Auch 2026 wird Jannik Reinhard als Teil des Teams GITI Tire Motorsport by WS Racing am legendären 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilnehmen, einem der härtesten und prestigeträchtigsten Langstreckenrennen der Welt. Die Teilnahme gilt unter Motorsportlern als Ritterschlag, schon Größen wie Niki Lauda, Timo Glock oder Max Verstappen haben sich hier einen Namen gemacht. Gefahren wird 24 Stunden am Stück auf der Kombination aus Grand-Prix-Strecke und Nordschleife, über 25 Kilometer Asphalt mit 74 Kurven, wechselndem Wetter, Dunkelheit und körperlicher Grenzbelastung.

Start mit Fahrsicherheitstrainings
Dass er einmal dort fahren würde, war allerdings alles andere als selbstverständlich. „Viele Motorsportler fangen schon als Kinder im Kartsport an. Dafür hat bei mir damals einfach das Geld gefehlt“, erzählt Jannik Reinhard. Stattdessen gab es für ihn zunächst Fahrsicherheitstrainings und sogenannte Touristenfahrten auf dem Nürburgring. Mit 18 Jahren entdeckte er dort seine Begeisterung für die Nordschleife, seit acht Jahren betreibt er aktiv Motorsport.
Erste Rennerfolge im Opel Astra
Mit Anfang 20 machte Jannik Reinhard seine Rennlizenzen. Über Kontakte aus der Szene ergab sich schließlich die Chance für den Einstieg in den Rundstreckensport. Drei Jahre lang fuhr er in der Rundstrecken-Challenge Nürburgring in einem Opel Astra, Baujahr 1997. „Der gleiche Jahrgang wie ich“, sagt er und lacht. Mehrfach holte er Meistertitel. Danach folgte der Sprung „zu den großen Jungs“, wie er selbst sagt.
Mit Max Verstappen auf dem Podium gestanden
Heute startet er in der Nürburgring Langstrecken-Serie, der wichtigsten Breitensport-Rennserie auf der Nordschleife. Dort sammelte er in den vergangenen Jahren Klassensiege, Podiumsplätze und Erfahrungen mit namhaften Fahrern. „Mit Timo Glock bin ich gefahren, mit Bruno Spengler, Jamie Green – und mit Max Verstappen stand ich sogar schon auf dem Podium“, erzählt Jannik Reinhard.

Motorsport ist harte Arbeit
Wer Motorsport romantisiert, bekommt von ihm allerdings schnell ein realistisches Bild. Denn Rennen auf der Nordschleife bedeuten vor allem harte körperliche Arbeit. „Die Leute sehen oft nur die coolen Bilder. Aber so ein Rennen ist brutal anstrengend“, sagt er. Im Cockpit herrschen Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius, dazu wirken dauerhaft Kräfte von zwei bis drei G auf den Körper – also das Zwei- bis Dreifache des eigenen Körpergewichts. Konzentrationsfehler werden auf der legendären Strecke sofort bestraft und können im schlimmsten Fall auch tödliche Folgen haben. „Du bremst von 240 auf 60 Stundenkilometer herunter, bei jeder der 74 Kurven, Runde für Runde“, beschreibt es Jannik Reinhard.
„Die Leute sehen oft nur die coolen Bilder. Aber so ein Rennen ist brutal anstrengend.“

Zwei Kilogramm Körpergewicht im Rennen verloren
Eine Runde auf der Nordschleife dauert rund neun Minuten. Jede Kurve muss sitzen, jede Bewegung automatisiert sein. Beim vergangenen 24-Stunden-Rennen habe er rund 16 Liter Wasser getrunken und trotzdem zwei Kilogramm Körpergewicht verloren. Entsprechend professionell ist die Vorbereitung. Neben dem Job im Familienbetrieb trainiert Jannik Reinhard mehrmals pro Woche im Fitnessstudio, absolviert Simulator-Einheiten und investiert unzählige Stunden in Teamabstimmungen und Rennvorbereitung. Rund zehn Rennwochenenden pro Saison kommen zusammen. „Das ist eigentlich kein Hobby mehr“, sagt er. „Das ist Leidenschaft.“
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Nachwuchswerbung mit dem Rennwagen
Trotzdem steht das Handwerk für ihn im Mittelpunkt. Seit Jahren verbindet er daher beide Welten ganz bewusst miteinander. Auf seinem Rennwagen, einem BMW M240i Racing Cup, den er mit seinen Teamkollegen teilt, prangt nicht nur das Logo von Reinhard Bedachungen, sondern auf dem Heckspoiler auch der Schriftzug „Das Handwerk“ der Kampagne des Deutschen Handwerkskammertags. Unterstützt wird das Team auch von der Handwerkskammer Koblenz. Gemeinsam nutzen die Partner den Motorsport gezielt für Nachwuchsgewinnung und Öffentlichkeitsarbeit.


Rennsport als Türöffner für Gespräche
So besuchen die Partner mit Jannik Reinhard und dem Rennwagen Ausbildungsmessen, Schulen und Veranstaltungen. „Viele stehen mit leuchtenden Augen davor und wollen sich sofort reinsetzen“, erzählt er. Der Rennwagen werde so zum Türöffner für Gespräche über Ausbildung, Karriere und Perspektiven im Handwerk. Jannik Reinhard verkörpert etwas, das oft gesucht wird in der Nachwuchswerbung: Glaubwürdigkeit. Er ist jung, erfolgreich im Beruf und lebt gleichzeitig eine Leidenschaft, die viele Jugendliche fasziniert.

Ohne ein starkes Team funktioniert nichts
Dass er bei allen sportlichen und beruflichen Erfolgen bodenständig geblieben ist, merkt man schnell. Trotz Rennstrecke, Sponsorenlogos und Podiumsplätzen spricht Jannik Reinhard lieber über Teamarbeit als über Glamour. Vielleicht, weil Motorsport und Dachdeckerhandwerk sich auch in dieser Hinsicht ähnlich sind: Ohne ein starkes Team funktioniert nichts. Aktuell fehlt es ihm für den Rennsport zwar weiterhin an Sponsoren, weshalb Reinhard 2026 keine komplette Saison fahren kann. Umso größer ist die Freude über die Nominierung für das 24-Stunden-Rennen 2026 auf dem Nürburgring. Für Jannik Reinhard geht damit ein weiterer Traum in Erfüllung, zwischen Baustelle und Boxengasse, Dachdeckerhandwerk und „Grüner Hölle“.