Dachdeckermeister Jan Redecker koordiniert praxisnahe Forschung für Betriebe
• •
Inhaltsverzeichnis
Das Dachdeckerhandwerk steht unter Druck – und zugleich vor großen Chancen. Neue Materialien, steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Klimaschutz und Digitalisierung verändern den Arbeitsalltag auf den Baustellen spürbar. Um diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten, hat der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) seinen Bereich „Forschung und Wissenschaft“ neu aufgestellt. Verantwortlich für das neue Institut für Dach- und Fassadentechnik (IDFT) ist Jan Redecker, Geschäftsführer Technik beim ZVDH. Doch was steckt konkret dahinter, und was haben Dachdeckerbetriebe davon?
Hier erfahren Sie mehr zur Person und zu den Aufgaben von Jan Redecker
Die Anforderungen an Dächer sind heute deutlich komplexer als noch vor wenigen Jahren. Es geht längst nicht mehr nur um das „klassische“ Eindecken. Dächer sollen Energie erzeugen, Gebäude kühlen, Starkregen abhalten und gleichzeitig langlebig sowie wirtschaftlich sein. „Die technischen Anforderungen wachsen rasant. Gleichzeitig entwickeln sich Normen, Regelwerke und Bauprodukte stetig weiter. Für einzelne Betriebe wird es zunehmend schwieriger, hier den Überblick zu behalten“, weiß Jan Redecker. Genau hier setzt das IDFT an: „Wir wollen Wissen bündeln, Entwicklungen frühzeitig erkennen und praxisnah aufbereiten, damit Betriebe fundierte Entscheidungen treffen können.“

Erklärtes Ziel: Wissen, das auf der Baustelle ankommt
Der Anspruch des ZVDH ist klar: Forschung soll kein Selbstzweck sein. Sie soll konkrete Probleme aus der Praxis lösen. Aus Sicht von Jan Redecker bedeutet das vor allem: komplexe Themen verständlich aufzubereiten, die Theorie auf den Baustellenalltag übertragbar zu machen und Sicherheit bei Planung und Ausführung zu geben. „Gerade im Dachdeckerhandwerk, wo viele Arbeiten unter Zeitdruck und in anspruchsvollen Umgebungen stattfinden, ist verlässliches Wissen entscheidend. Fehler können teuer werden und im schlimmsten Fall sogar die Funktionsfähigkeit eines gesamten Gebäudes gefährden“, so Redecker. „Wir verstehen uns deshalb als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wir sorgen dafür, dass neue Erkenntnisse nicht in Studien verschwinden, sondern direkt im Handwerk ankommen.“
Themenschwerpunkte Klimaveränderungen, Energieeffizienz und Solartechnik
Auch wenn das Institut für Dach- und Fassadentechnik noch vergleichsweise neu ist, gibt es bereits konkrete Ansätze und Themen, an denen gearbeitet wird. Dabei stehen vor allem Fragen im Mittelpunkt, die viele Betriebe aktuell beschäftigen. Ein Themenschwerpunkt sind Klimaveränderungen und Wetterextreme. Denn Starkregen, Hitzeperioden und Stürme stellen Dächer vor neue Belastungen. Forschung soll hier helfen, Konstruktionen robuster zu machen und Schadensrisiken zu minimieren. Auch Energieeffizienz und Solartechnik spielen eine zentrale Rolle, denn die Integration von Photovoltaik wird zunehmend zum Standard. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dämmung und Luftdichtheit. Hier haben sich Jan Redecker und sein Team als Ziel gesetzt, Lösungen zu entwickeln, die technisch sicher und handwerklich umsetzbar sind.

„Fachregeln bleiben das Fundament des Handwerks“
Gleiches gilt für Materialien und die Verarbeitung. „Neue Werkstoffe und Systeme kommen auf den Markt, doch nicht alle sind automatisch praxistauglich. Forschung kann hier Orientierung bieten und helfen, geeignete Lösungen zu identifizieren“, so Redecker. Nicht zuletzt sind Regelwerke und Normen ein zentraler Aspekt seiner Arbeit. „Fachregeln bleiben das Fundament des Handwerks. Forschung liefert die Basis, um diese Regeln weiterzuentwickeln und an neue Anforderungen anzupassen.“
Konkreter Nutzen für Betriebe: Sicherheit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit
Für Dachdeckerbetriebe stellt sich die entscheidende Frage: Was bringt mir das im Alltag? Jan Redecker sieht den konkreten Nutzen vor allem in drei Bereichen: Sicherheit, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. „Verlässliche technische Grundlagen reduzieren das Risiko von Fehlern, Reklamationen und Haftungsfällen. Das schafft Sicherheit bei Handwerkern und Kunden. Klare Empfehlungen des ZVDH sparen Zeit bei Planung und Ausführung, was wiederum das Kundenbudget schont und Handwerksbetriebe vor unbezahlten Überstunden schützt.“ Und schließlich könnten sich Betriebe, die neue Entwicklungen verstehen und anwenden, am Markt besser positionieren. „Gerade kleinere und mittlere Betriebe profitieren davon, dass sie nicht jede Entwicklung selbst bewerten müssen. Wir übernehmen hier als Zentralverband eine Art Filter- und Beraterfunktion.“
- Dachdeckermeister Mike Sternkopf verstorben
- Dachdeckerbetrieb Monteton: erfolgreicher Generationenwechsel
- Jannik Reinhard: Zwischen Dach und Nürburgring
Zusammenarbeit als Schlüssel
Forschung im Handwerk funktioniert nicht im Alleingang. Der ZVDH setzt deshalb auf Kooperationen, etwa mit Hochschulen, Prüfinstituten und Industriepartnern. Wichtig ist dabei: Die Perspektive der Praxis soll immer im Mittelpunkt stehen. „Erfahrungen aus Betrieben fließen in unsere Projekte ein und helfen, realistische Lösungen zu entwickeln. Denn nur, wenn Theorie und Praxis zusammenarbeiten, entstehen Ergebnisse, die wirklich funktionieren“, ist Jan Redecker überzeugt.

Dachdeckerhandwerk gestaltet aktiv seine Zukunft
Der Aufbau des neuen Instituts für Dach- und Fassadentechnik ist ein strategischer Schritt. Er zeigt, dass das Dachdeckerhandwerk aktiv an seiner Zukunft arbeitet, statt nur auf Veränderungen zu reagieren. „Die Herausforderungen werden in den kommenden Jahren nicht kleiner: Klimawandel, Fachkräftemangel, neue Technologien. Umso wichtiger ist es, Wissen systematisch zu entwickeln und zugänglich zu machen. Oder anders gesagt: Gute Dächer brauchen heute mehr denn je eine solide Wissensbasis“, so Redecker. Mit dem IDFT schafft der ZVDH genau dafür die Voraussetzungen, damit Dachdeckerbetriebe auch in Zukunft sicher, effizient und auf dem neuesten Stand arbeiten können.


