Dachdecker-Nationaltrainer Jörg Schmitz möchte WM-Gold holen

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Inhaltsverzeichnis

Seit 18 Jahren ist Jörg Schmitz schon Trainer der Dachdecker-Nationalmannschaft. In dieser Zeit hat der 57-Jährige elf Weltmeisterschaftsmedaillen mit seinen Teams gewonnen. Die Farben: Silber und Bronze. Viele tolle Erfolge also – aber wenn es nach ihm ginge, dürfte sich in Zukunft auch gerne ein bisschen Gold dazugesellen. Die nächste Möglichkeit für einen Titelgewinn bietet sich vom 10. bis 12. November 2027 bei der WM in Budapest.

Vom Meisterschüler zum Fachlehrer

Schon als Jugendlicher wollte er hoch hinaus, sagt Jörg Schmitz über sich selbst. Und ergänzt grinsend: „Zum Piloten hat es nicht gereicht, da bin ich Dachdecker geworden.“ Ein Beruf, der ihm bis heute sehr am Herzen liegt – und den er trotzdem nur kurze Zeit in der Praxis ausübte. Denn schon ein Jahr nach seiner Meisterprüfung am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) in Mayen erhielt er das Angebot, dort als Dozent tätig zu werden. Sein Klassenlehrer war während des neunmonatigen Meisterlehrgangs auf ihn aufmerksam geworden, weil Jörg Schmitz seinen Klassenkameraden Nachhilfe gegeben hatte.

Ein Mann in traditioneller Handwerkerkleidung arbeitet an einem Schieferdachmodell, im Hintergrund sind mehrere Personen in einer Messe- oder Ausstellungshalle.
Seine Arbeit als Fachlehrer am BBZ Mayen und als Trainer der Dachdecker-Nationalmannschaft liegt Jörg Schmitz am Herzen. (Foto und Titelbild: ZEDACH/Vollmer)

Spaß am Dachdeckerhandwerk vermitteln

Auf die Frage, wie er sich als Typ beschreiben würde, antwortet Jörg Schmitz nach kurzem Nachdenken: „Ehrgeizig und hilfsbereit.“ Das seien letztlich auch die ausschlaggebenden Punkte gewesen, damals die Dozenten-Stelle am BBZ anzutreten – zuerst in der überbetrieblichen Ausbildung, heute vor allem in den Meisterkursen. „Hier kann ich jungen Menschen helfen, gute Dachdecker zu werden“, erläutert er. „Und das ist zugleich auch mein Ehrgeiz: Ihnen das Dachdeckerhandwerk beizubringen und einen Beitrag zu leisten, dass sie Spaß daran haben.“

„Hier am BBZ Mayen kann ich jungen Menschen helfen, gute Dachdecker zu werden.“

In der ersten Zeit sei es ihm schon schwergefallen, nicht mehr selbst auf dem Dach zu stehen, räumt der 57-Jährige ein. „Inzwischen bin ich in einem Alter, in dem ich darüber ganz froh bin.“ Seine Motivation sei von Anfang an der Umgang mit den SchülerInnen gewesen. „Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich fahre jeden Tag unheimlich gerne zur Arbeit.“

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Seit 2008 Trainer der Nationalmannschaft

Besonders viel Spaß macht es ihm, in der Dachdecker-Nationalmannschaft für den Bereich Steildach verantwortlich zu sein – und dort in seiner Funktion als Mentor und Trainer junge Talente auf die Weltmeisterschaften vorzubereiten. Seit 2008 ist er schon als Teamchef mit an Bord. Anfangs war er allein für die damals zwei WM-Kategorien Steildach und Flachdach zuständig. Dann kamen im Laufe der Zeit die beiden Kategorien Metall und Fassade hinzu, und jeder Bereich erhielt einen eigenen Trainer.

Vor jeder anstehenden WM treffen sich die vier – auf Grundlage der Ergebnisse beim Bundeswettbewerb im Dachdeckerhandwerk nominierten – Zweierteams dreimal zum gemeinsamen Üben. Diese mehrtägigen Trainingseinheiten finden üblicherweise am BBZ Mayen statt: „Da wurde damals halt einer von uns Dozenten ausgewählt, der Mentor zu sein“, berichtet Jörg Schmitz. „Und in dem Fall war ich das.“

Drei Handwerker in traditioneller Arbeitskleidung stehen vor einem Dachmodell mit Ziegeln in einer Werkstatt.
Das Steildach-Team bei der Dachdecker-WM 2024 in St. Gallen (von links): Paul Ostermann, Noah Zimmer und Trainer Jörg Schmitz. (Foto: BBZ Mayen)

Trainieren für den Erfolg

Eine weitere Aufgabe, für die er seinen Ehrgeiz gut gebrauchen kann. „Wir trainieren hier ja nicht nur aus Spaß an der Freude. Wir trainieren schon auch, um am Ende erfolgreich zu sein“, stellt Jörg Schmitz fest. Bisher war es immer so, dass einige Monate vor dem Wettkampf bereits die Aufgabenstellung bekanntgegeben wurde. Zum Beispiel eine Aufsparrendämmung anbringen und eine eingebundene Biberkehle decken, mit allen Details in nicht mehr als acht Stunden. Die Trainingseinheiten sind dafür da, die acht Nominierten entsprechend ihren jeweiligen Stärken in die vier Wettkampf-Kategorien aufzuteilen – und anschließend die Aufgaben zunächst in der Theorie und dann in der Praxis einmal komplett durchzuspielen.

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Beim Wettkampf sind psychologische Fähigkeiten gefragt

Die Trainertätigkeit in der von der ZEDACH gesponserten Dachdecker-Nationalmannschaft sei vergleichbar mit der eines Fußballtrainers, erläutert Jörg Schmitz. „Wir planen die Strategie, machen unser Team fit und geben Tipps, wie sich manche Details schnell und ordentlich ausführen lassen.“ Die meiste Arbeit finde im Vorfeld statt. „An den Wettkampftagen geht es dann eher um die verbale und moralische Unterstützung. Da ist man nicht mehr so sehr als Fachmann gefragt, sondern oft eher als Psychologe.“ Den einen müsse man weich anpacken, den anderen vielleicht etwas härter: „Da tickt jeder anders, und ich muss sehen, dass ich alle aufmuntere und motiviere.“

Teamfähigkeit ist die wichtigste Kompetenz

Die wichtigste Kompetenz, die ein Mitglied der Nationalmannschaft nach Aussage des Trainers besitzen muss, ist Teamfähigkeit. „Als Einzelkämpfer hat man vielleicht beim Landes- und Bundesentscheid einen Vorteil, aber bei der Dachdecker-Weltmeisterschaft bringt einen das nicht weiter. Da arbeitet man zu zweit, darum muss man als Einheit agieren und sich blind verstehen.“ Ebenfalls wichtig sei es, auf den Trainer zu hören und zu tun, was er sage. „Wenn ich erst zwei Minuten über ein Thema diskutiere, dann sind das vielleicht genau die zwei Minuten, die am Ende fehlen.“

Gekämpft bis zur letzten Sekunde

Es sei schon häufiger vorgekommen, dass sein Team mit der Schlusssirene die letzte Schraube gesetzt habe. Vor ein paar Jahren sei einer seiner Jungs sogar vor Anspannung und Erschöpfung fast umgefallen, erinnert sich der 57-Jährige. „Der hat bis zur letzten Sekunde gekämpft wie verrückt. Und als die Sirene losging, ist er in meinen Armen zusammengesackt.“

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Grenzenlose Freundschaft

Für ihn selbst sind diese Wettkampftage übrigens kaum weniger anstrengend als für seine Mannschaft. „Ich bin hinterher genauso k.o. wie die Jungs“, sagt Jörg Schmitz. „Das ist psychisch schon sehr fordernd.“ Bei allem sportlichen Wettkampf gehe es aber immer fair zu. Er wisse von früheren Teammitgliedern, dass sie noch heute Kontakte zu den Kollegen aus anderen teilnehmenden Nationen halten. „Wir sind eine große Dachdeckerfamilie, und in so einer Familie sollte es keine Grenzen geben.“

So habe er in der Vergangenheit sehr nette russische und sehr nette ukrainische Dachdecker kennengelernt. Eine besondere Verbundenheit besteht zum Team Österreich: „In den WM-Jahren sind wir 364 Tage und acht Stunden gute Freunde. Und 16 Stunden sind wir Konkurrenten.“ Auch bei den Wettkämpfen sei es aber selbstverständlich, sich gegenseitig zu unterstützen.

Goldmedaille als erklärtes Ziel

Rückblickend seien diese vielen Wettkämpfe immer schön gewesen, berichtet Jörg Schmitz. Das habe viel mit den Menschen zu tun, denen er begegnet sei. Aber auch mit den zahlreichen Erfolgen. Von der nächsten WM würde er gerne seine erste Goldmedaille mit nach Hause bringen. „Es ist ganz klar: Das beste Team soll gewinnen“, betont er sportlich fair. Und formuliert seinen großes Ziel gleich mit: „Ich hoffe, dass wir das beste Team sein werden.“

Mehrere Arbeiter bauen in einer Halle an Dachkonstruktionen mit deutschen Flaggen, Holz und Dachziegeln, Arbeitsmaterialien und Werkzeugen sind um sie herum verteilt.
Jörg Schmitz: „An den Wettkampftagen ist man nicht mehr so sehr als Fachmann gefragt, sondern oft eher als Psychologe.“ (Foto: BBZ Mayen)

Dachdecker-Nationalmannschaft bekannter machen

Ein weiterer Wunsch, den er hat: dass die Dachdecker-Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit bekannter wird. „Es sollte niemand denken, dass wir mal eben zur WM fahren und uns eine schöne Zeit machen. Das ist schon für alle Beteiligten mit viel Stress und Anstrengung verbunden.“ Das gelte auch für ihn als Trainer. „Das ist wie in allen sportlichen Bereichen: Wenn du Trainer bist, hast du eine schöne Zeit – aber auch eine leidende Zeit.“

Erst Vorfreude, dann Nervosität – und immer Ehrgeiz

Aus der Erfahrung vergangener Wettkämpfe weiß der 57-Jährige, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem die Vorfreude auf die kommende WM für ihn deutlich spürbar wird. Aber auch die Nervosität, die sich vor solchen Großereignissen unverändert einstellt. „Wenn ich irgendwann vor einer Weltmeisterschaft nicht mehr nervös bin, sollte ich besser aufhören“, meint Jörg Schmitz. Bis dahin wird er sich weiter mit vollem Einsatz ins Nationalteam einbringen: „Solange mein Ehrgeiz noch in mir steckt und ich in der Lage bin, mein Team so zu motivieren und zu schulen, dass es vorne mitspielen kann, so lange würde ich das gerne noch machen."

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